
Schülerinnen und Schüler des FEG im Max-Planck-Institut für Neurobiologie des Verhaltens
Wie viel kann man eigentlich mit 302 Nervenzellen anfangen?
Als Mensch wahrscheinlich erst einmal gar nichts, da wir mit ca. 86 Milliarden Nervenzellen ausgestattet sind, die konstant aktiv sind. Aber wenn man zu den Fadenwürmern Caenorhabditis elegans (C. elegans) gehört, eine ganze Menge!
Am Mittwoch, den 5. November 2025, besuchte der Biologie-Leistungskurs von Frau Wagener das Max-Planck-Institut für Neurobiologie des Verhaltens in Bonn.
Nach einer kurzen Begrüßung erhielten wir von Julia Schlee, der Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, eine Einführung in die verschiedenen Forschungsbereiche des Instituts.
Julia beschrieb es so: Man forscht, ohne zu wissen, wofür man es nutzen kann, und versucht, so viel wie möglich herauszufinden, was noch keiner weiß. Dadurch werden Grundlagen für Technik, Chemie oder Medizin geschaffen. So werden in Forschungsgruppen die neuronalen Vorgänge unterschiedlichster Tiere in verschiedenen Situationen untersucht, um sie als Modellorganismen für das menschliche Gehirn zu nutzen. Zum Beispiel erforscht eine Gruppe, wie der Magnetsinn der Graumulle funktioniert, eine andere, wie Falken ihren Flug und ihre Jagd steuern, eine weitere die Sprungkoordination von Eichhörnchen und wiederum eine andere das Sozialverhalten von Fadenwürmern (den oben genannten C. elegans).
Im Anschluss an die Theorie durften wir selbst im Schülerlabor experimentieren!
Nach einer kurzen Sicherheitsbelehrung konnten wir, mit institutseigenen Kitteln ausgestattet, C. elegans hautnah kennenlernen.
Trotz der Tatsache, dass sie kleiner als ein Komma sind und mit nur 302 Nervenzellen leben, können sie sich vor- und rückwärts bewegen, springen, auf Bewegung reagieren und zwischen Feind und Freund unterscheiden.
Unter dem Mikroskop übertrugen wir einzelne Würmchen von einer Petrischale zur anderen und sollten sie anschließend mithilfe gesammelter Informationen wie Größe und Aussehen den Entwicklungsstadien zuordnen.
Außerdem beobachteten wir, wie zwei Gruppen von C. elegans auf äußere Einflüsse – in unserem Fall das Anstupsen mit einem (eigenen) Wimpern-Piekser – reagierten.
Die eine Gruppe schlängelte sich bei Berührung weg, die typische Fluchtreaktion. Die andere, genmanipuliert, zeigte keine Reaktion. Den Nervenzellen der Mutante fehlten die Rezeptoren, um Berührungen zu erkennen.
Am Ende durfte unser Kurs noch die verschiedenen Mikroskope besichtigen, angefangen bei den „kleineren“ Ausführungen, um ein Verständnis für ihre Funktion zu bekommen, bis zu raumfüllenden, riesigen Elektronenmikroskopen. In der als „Bunker“ getauften unterirdischen Forschungseinrichtung des Instituts konnten wir so Goldkristalle auf ihre Atome vergrößert sehen.
Uns wurde erneut demonstriert, wozu die Forschung inzwischen fähig ist: Erkenntnisse über komplexe Prozesse, deren Ermittlung über Jahrzehnte gedauert hat, konnten wir innerhalb eines Tages selbst miterleben und durchführen.






Finia, Q1

